Elsternerfassung 2019

Ergebnisse der Elsternerfassung im Altkreis Güstrow 2019

– Eine Zwischenauswertung der Ergebnisse von 2019

Joachim Loose, Güstrow

Der Elster gehört zu den flächendeckend verbreiteten Arten in unserer Kulturlandschaft. Nach den Ergebnissen der drei Brutvogelkartierungen in M-V war ein positiver Bestandstrend zu erkennen. Die letzte Kartierung 2005-09 dokumentiert einen Bestand von 6.000 – 8.000 BP in M-V (VÖKLER, 2014)..

Nach Mitteilung von Erhard und Thomas Franke war in nachfolgenden Kartierungen im Raum Stralsund eine starke Abnahme der Elsternaufgefallen und bei Stichproben bestätigt worden.

Für den Altkreis Güstrow liegen keine auswertbaren Basisdaten vor, aus denen sich eine Tendenz zur Häufigkeit von Elstern und eines möglichen Bestandsrückganges ableiten ließen. Lediglich der weitgehende Rückzug der Art aus der freien Landschaft und die verstärkte Besiedlung von Dörfern und Städten war auffällig (NEUBAUER, 2004). 

Eine erste umfangreiche Erfassung von Elsternnestern und vorkommender Elstern in den Orten des Altkreises Güstrow erfolgte im Frühjahr 2019 vor dem Laubaustrieb der Bäume und Büsche vom März bis Mai. Es beteiligten sich daran nachfolgende Mitglieder der Fachgruppe Ornithologie und Naturschutz Güstrow: V. Bösel, G. Klingbeil, K.-H. Koop, Klaus Lingsminat, Joachim Loose, Angela Martin, Sylvia Martini, Reinhard Schaugstat, Detlef Schlotfeldt und Eckhard Schlüter.

Erfasst wurden 134 ländliche Orte und die drei Städte Güstrow, Krakow am See und Laage. In 19 kontrollierten Orten verliefen die Kontrollen negativ, hier befanden sich keine Nester und wurden auch keine Elstern beobachtet. Ohne Kontrolle blieben 47 Orte. Damit waren ca. 75 % der Siedlungsflächen erfasst worden. In größerer Entfernung zu Ortschaften wurden in der freien Feldmark lediglich fünf Nester gefunden (vgl. Abb. 7). Dabei muss jedoch betont werden, dass die Kontrollen nicht so angelegt worden waren, auch die Feldhecken mit zu erfassen. Ebenso war aus Zeitgründen nicht geplant, Brutergebnisse aufzunehmen.

Bei den Kontrollen waren teilweise die geschätzten Nesthöhen und die Gehölzarten, in denen die Elstern ihre Nester errichtet hatten, mit notiert worden. Die Ergebnisse dazu sind in den Abb. 1 bis 3 dargestellt.

Abb. 1: Nesthöhenverteilung von Elsternnester

Abb. 2 / 3: Nutzung von Gehölzarten bei der Nestanlage von Elstern

Da Elstern üblicherweise in ihrem Revier mehrere Nester bauen, kann aus der Zahl der vorgefundenen Nester in einem Ort nicht direkt die Zahl der Brutpaare abgeleitet werden. Hilfreich hat sich erwiesen, wenn die gefundenen Nester in einem Luftbild des Ortes eingetragen werden und daraus bei einer größeren Anzahl von Nestern räumliche Beziehungen für mögliche Brutpaare ableitbar sind, auch wenn keine Vögel direkt am Nest beobachtet wurden (Abb. 4 bis 6).

Abb. 4 Zwei weit voneinander entfernte Nester lassen hier zwei Brutpaare vermuten.
Abb. 5: Zwölf Nester lassen sich gruppieren und vermutlich vier Brutpaaren zuordnen.
Abb. 6: Stadtgebiet von Güstrow mit eingetragenen Elsternester und abgeleiteten Brutpaaren

Bei einer Kontrolle einzelner Orte lässt sich ein Flächenbezug für Brutpaaren sinnvoll nur für das untersuchte Stadtterritorium von Güstrow (Abb. 6) ableiten. Unter Einbeziehung von randlich vorhandenen Kleingartenflächen wurden hier auf einer Fläche von ca. 12 km²  durch die gefundenen Nester 34 – 40 BP geschätzt (28 – 33 BP/10 km²).

Der Bestand in 113 besetzten Orten (einschl. Krakow am See und Laage) wurde auf 164 – 176 BP geschätzt, daraus errechnen sich durchschnittlich 1,5 – 1,6 BP/Ort.

Bei einer Einzelbetrachtung kontrollierter Orte wurden aber auch höhere Brutpaarzahlen je Ort  ermittelt. LOOSE zählte in 35 Orten insgesamt 114 Nester und schätzte hier 72 – 80 BP, die sich wie folgt verteilten:

      1 BP           13 Orte           37,1% 

bis 2 BP          11 Orte           31,5 %

bis 3 BP            7 Orte           20,0 %

bis 4 BP            2 Orte             5,7 %

bis 5 BP            2 Orte             5,7 %      (Durchschnitt: 2,0 -2,2 BP/Ort)

BÖSEL zählte in 31 Orten insgesamt 51 Nester und schätzte hier 37 Brutpaare. 27 Orte (84,4 %) hatten ein BP, und nur fünf Orte (15,6 %) bis 2 BP (durchschnittlich 1,2 BP/Ort).

Für 2020 ist eine Fortsetzung der Erfassung von Elstern vorgesehen. Dabei sollte als Zielstellung  auch die Kontrolle von Hecken in der freien Landschaft einbezogen werden. So könnte eine flächenbezogene Aussage über eine gegenwärtige Abundanz außerhalb der Waldflächen möglich werden. 

Literatur

NEUBAUER, W. (2004):  Die Vogelwelt des Altkreises Güstrow, NN in Mecklenb.-Vorp., Band XXXIX,  S. 143

VÖKLER, F. (2014): Zweiter Brutvogelatlas des Landes Mecklenburg-Vorpommern, S.262

Abb. 7: Erfassungsergebnisse Frühjahr 2019