Die Heuschrecken des NSG „Bockhorst“

Remo Wiechert, Güstrow

 

1. Einleitung

Heuschrecken gehören mit zu einer der auffälligsten Insektengruppen. Einem Jeden ist der Gesang auf einer Sommerwiese bekannt. „Sie besitzen von den Insekten die differenzierteste Lautäußerung“ (BELLMANN 1996). Man unterscheidet sie in Langfühler- und Kurzfühlerschrecken.
Die einzelnen Arten stellen sehr unterschiedliche Ansprüche an ihren Lebensraum. Unter ihnen gibt es Arten, die mit verschiedenen Lebensräumen zurecht kommen, man bezeichnet sie als euryöke Arten. Andere, die sogenannten stenöken Arten, können nur in speziellen Gebieten leben.

Allgemein denkt man, dass sich Heuschrecken nur vegetarisch ernähren (z.B. Gemeiner Grashüpfer). Tatsächlich ernähren sich nur Kurzfühlerschrecken und die Sichelschrecken von pflanzlicher Kost. Die meisten Langfühlerschrecken bevorzugen Mischkost (Roesels-Beißschrecke) oder rein tierische Kost (Warzenbeißer).
Wie schon oben erwähnt besitzen sie von den Insekten eine der variabelsten Lautäußerungen. Der Gesang wird mit den unterschiedlichsten Mitteln erzeugt. In den meisten Fällen sind beide Geschlechter in der Lage zu „singen“.
„Fast alle Langfühlerschrecken heben die Vorderflügel leicht an und reiben sie gegeneinander. Bei den Grashüpfern reibt eine gezähnte Leiste auf die Innenseite des Hinterschenkels. Die Sumpfschrecke hat eine spezielle Art der Lautäußerung. Sie hebt den Hinterschenkel an und schleudert die Vorderschiene weg, dies ist der sogenannte „Schienenschleuder-Zick“. Dabei streicht die Vorderschiene über die Hinterschiene. Das erinnert an das Knipsen mit Fingernägel. Es gibt auch Arten die keine Gesänge hervorbringen (Gemeine Dornschrecken)“ (BELLMANNN 1996).
Durch den Gesang (Stridulation) werden die Weibchen von den Männchen bezirpst und so zu Paarung aufgefordert, worauf das Weibchen seine Bereitschaft zum Ausdruck bringt (z.B. Gestik, Gesang). Wenige Tage nach der Paarung beginnt das Weibchen mit der Eiablage. In den meisten Fällen bohrt es die Legeröhre (Langfühlerschrecken) oder das Hinterleibsende (Kurzfühlerschrecken) ins Erdreich und legt die befruchteten Eier ab.

2. Lage des Gebiets

Das NSG „Bockhorst“ liegt südöstlich von Güstrow. Es ist gekennzeichnet durch ein kuppigesRelief im Osten.
Im Nordwesten befindet sich ein Feuchtgebiet mit Laubgebüschen (Weiden, Birken) sowie staunassen Flächen und Kleingewässer. Dämme durchziehen es netzartig. Zum Nordosten wechselt es in eine Pfeifengras-Feuchtwiese und einen Borstgrasrasen.
Der Süden wird durch eine Anhöhe gekennzeichnet, die hauptsächlich aus Sandtrocken- und Magerrasen besteht. Die Vegetation ist hier sehr spärlich und fehlt stellenweise völlig. Der westliche Hang ist hauptsächlich mit Besenginster bewachsen. Im Süden grenzt ein ehemaliger Schießstand an.
Gerade die südlichen Bereiche weisen Wärmeinseln auf, die eine besonders große Bedeutung für Heuschrecken besitzen.

3. Methodik

Die Untersuchungen wurden 1996 zwischen Mai und September durchgeführt.
Dabei wurden die Tiere akustisch, wenn nötig mit Hilfe eines Ultraschall NF Konverter, geortet und bestimmt. Im Zweifelsfall wurden sie gefangen und im Gelände nach Bestimmungsmerkmalen (BELLMANN 1993) bestimmt und freigelassen. In schwierigen Fällen wurden Exemplare in Alkohol konserviert und mit Hilfe eines Mikroskops bestimmt oder zur Bestimmung eingeschickt. Die Untersuchung bezog sich auf das Artenpotential im Gebiet. Aussagen zur Häufigkeit der einzelnen Arten sind subjektiv.

4. Ergebnisse

Im NSG „Bockhorst“ konnten bisher 10 Arten festgestellt werden, sowie 3 weitere Arten im Bereich des Schießstandes.
Im Gebiet lässt sich eine Bindung an Standorte trockenen und feuchteren Charakters feststellen. Da aber einige Arten ein relativ hohes Migrationsvermögen haben, fällt es oftmals schwer eine konkrete Zuordnung zu treffen.

Kurzflüglige Schwertschrecke (Conocephalus dorsalis)

Hier handelt es sich um eine feuchteliebende Art, die hauptsächlich auf hochwüchsiger Vegetation vorkommt.

Zwitscherschrecke (Tettigonia cantans)

Im Gegensatz zum Grünem Heupferd (Tettigonia viridissima) bevorzugt T. cantans eher feuchtes Gelände. In der Larvalentwicklung findet man beide Arten in der hochwüchsigen Vegetation, als Imagines kommen sie auch in Stauden, Büschen sowie auf Bäumen (hauptsächlich T. viridissima) vor.

Warzenbeißer (Decticus verrucivorus)

Diese Art ist ein ausgesprochener Bodenbewohner. In der Larvalentwicklung bevorzugt D. verrucivorus feuchte und hochwüchsige Vegetation. Als Imagines findet man ihn auf kurzrasiger, sowohl feuchter wie auch trockener, Vegetation.

Warzenbeißer

Warzenbeißer Weibchen

 

 

 

 

 

 

 

 

Roesels-Beißschrecke (Metrioptera roeseli)

Sie ist eine der häufigsten Arten im Gebiet. Bevorzugt wird hauptsächlich hohe Vegetation.

Roesels-Beißschrecke

Roesels-Beißschrecke Weibchen

Roesels-Beißschrecke

Roesels-Beißschrecke Weibchen

 

 

 

 

 

 

 

Gemeine Dornschrecke (Tetrix undulata)

Sie bewohnt Orte mittlerer Feuchte. Am häufigsten lebt sie auf Waldlichtungen, kommt auch auf Wiesen und nicht zu feuchten Mooren vor. Ist die häufigste Tetrix – Art.

Bunter Grashüpfer (Omocestus viridulus)

Kommt auf mäßig feuchten bis trockenen Standorten vor.

Nachtigall – Grashüpfer (Chorthippus biguttulus)

Er lebt auf mäßig trockenen Stellen, etwa auf Wiesen und Wegrändern. C. biguttulus ist einer der häufigsten Grashüpfer.

Brauner Grashüpfer (Chorthippus brunneus)

Er ist etwas mehr an trockene Lebensräume gebunden als C. biguttulus, lebt z.B. in Sandgruben, auf Trockenrasen und in Waldlichtungen.

Weißrandiger Grashüpfer (Chorthippus albomarginatus)

Er lebt auf mäßig feuchten bis nassen Wiesen.

Gemeiner Grashüpfer (Chorthippus parallelus)

Ist am häufigsten auf mäßig feuchten Wiesenanzutreffen, kommt aber auch auf Trockenrasen, Wegrändern und Mooren vor.

Gemeiner Grashüpfer

Gemeiner Grashüpfer Larve

 

Folgende drei Arten kommen nur unmittelbar an der Grenze des NSG „Großer Bockhorst“ (am Schießplatz) vor.

  • Gefleckte Keulenschrecke (Myrmeleotettix maculatus)
  • Feld – Grashüpfer (Chorthippus aparicarius)
  • Verkannter Grashüpfer (Chorthippus mollis)

Tabelle: Arten, die im NSG „Großer Bockhorst“ bzw. auf dem angrenzenden Schießplatz (siehe oben) vorkommen.

Deutscher Name Wissenschaftlicher Name Rote Liste MV
Kurzfl. Schwertschrecke Conocephalus dorsalis
Zwitscherschrecke Tettigonia cantans
Warzenbeißer Decticus verrucivorus
2
Roesels-Beißschrecke Metrioptera roeseli
Gemeine Dornschrecke Tetrix unulata
Bunter Grashüpfer Omocestus viridulus
Gefleckte Keulenschrecke Myrmeleotettix maculatus
Feld-Grashüpfer Chorthippus aparicarius
Nachtigall-Grashüpfer Chorthippus biguttulus
Brauner Grashüpfer Chorthippus brunneus
Verkannter Grashüpfer Chorthippus mollis
Weißrandiger Grashüpfer Chorthippus albomarginatus
Gemeiner Grashüpfer Chorthippus parallelus

 

 

Literatur

  • BELLMANN, H. (1996): Heuschrecken beobachten bestimmen – Naturbuch Verlag (Augsburg). 348 S.
  • BELLMANN, H. (1993): Die Stimmen der heimischen Heuschrecken CD.
  • WALLASCHEK, M. (1993): Berichte des Landesamtes für Umweltschutz Sachsen. – Halle (1933) 9.
  • WRANIK, W. (1997): Roten Liste der gefährdeten Heuschrecken Mecklenburg – Vorpommerns. – Die Umweltministerin des Landes Mecklenburg – Vorpommern [Hrsg.], Schwerin (Eigenverlag), 34 S.
  • WRANIK, W. (1995): Ökologische Bewertung von Niederungsbereichen der Nebel unter Nutzung bioindikatorischer Aussagen von Heuschrecken (Saltatoria). – Nachr. entomol. Ver. Apollo, Suppl. 15: 165 – 184 (1995).
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Naturschutzgebiet_Bockhorst